Dein Leben war in Ordnung. Bis du gescrollt hast.
Du bist auf dem Heimweg. Im Schaufenster ein perfekter Abend. Auf dem Handy die perfekte Wohnung. Dazwischen Menschen, die anscheinend mühelos beides haben. Eben war dein Tag noch gut. Jetzt fehlt ihm etwas. Du könntest nicht einmal genau sagen, was.

Niemand muss dir ausdrücklich sagen, dass du nicht genügst.
Die Bilder legen dieselbe Antwort nahe: So sieht ein gelungenes Leben aus. Ellul nennt die Verbreitung solcher Lebensformen soziologische Propaganda. Sein Blick geht über den einzelnen Werber hinaus – auf Unterhaltung, Gewohnheiten und Institutionen, die ähnliche Maßstäbe weitertragen.
Ein Angebot wird zum Maßstab für dich selbst.
Dafür braucht es keinen gemeinsamen Regisseur hinter jedem Bild. Wiederkehrende Belohnungen und Anerkennung können dieselbe Richtung nahelegen. Elluls Begriff ist weit: Ein schönes Foto allein beweist keine Manipulation. Sichtbar wird hier zunächst ein Muster, das du untersuchen kannst.
Die Frage beginnt schon vor dem nächsten Kauf: Wer hat festgelegt, was deinem Leben angeblich fehlt?
Welche anderen Formen eines guten Lebens kommen in diesem Bilderstrom kaum vor?Die Spur im Buch & ein Video dazu
Erfundene Alltagsszene zur Veranschaulichung von Elluls Begriff der soziologischen Propaganda.
Textgrundlage: Jacques Ellul · Propaganda: The Formation of Men’s Attitudes ↗ · Kapitel I, Abschnitt 3: Political Propaganda and Sociological Propaganda. · Quellenstatus
Jacques Ellul und diese Perspektive vertiefen ↗Teil 1: Happiness Machines
Ein Video zum größeren Zusammenhang; kein Einzelbeleg für die erzählte Szene.
Englisch · ca. 60 Minuten · Adam Curtis / BBC · Video extern öffnen ↗