Du weißt nicht, woher du es weißt.
Am Bahnsteig die Schokolade. Im Wagen noch einmal. Auf deinem Handy gleich wieder. Ein paar Tage später stehst du vor dem Regal und greifst fast nebenbei zu. Die Marke kennst du. Die muss doch gut sein. Oder woher kommt dieses sichere Gefühl?

Der Satz hat viele Auftritte. Sein Beleg nicht unbedingt.
Le Bon benutzt schon 1895 wiederholte Schokoladenwerbung als Beispiel. Eine Behauptung soll sich durch ständige Wiederkehr festsetzen. In deinem heutigen Feed kann aus demselben Ursprung zusätzlich ein ganzer Chor werden: Viele Accounts verbreiten dieselbe Aussage.
Bekanntheit fühlt sich an wie Bestätigung.
Die entscheidende Verwechslung ist klein: „Ich habe das oft gesehen“ wird zu „Das ist gut begründet“. Das gilt für Marken ebenso wie für politische Behauptungen. Wiederholung macht eine Aussage allerdings weder automatisch falsch noch richtig. Der fehlende Schritt bleibt die Prüfung ihres Ursprungs.
Zehn Posts sind manchmal zehn Quellen. Manchmal sind sie zehn Kopien einer einzigen Pressemitteilung.
Wie viele unabhängige Belege stecken wirklich hinter diesen vielen Wiederholungen?Die Spur im Buch & ein Video dazu
Die Straßenbahnfahrt ist eine heutige Szene nach Le Bons Werbebeispiel. Sie ist keine Messung einer bestimmten Marke oder Werbewirkung.
Textgrundlage: Gustave Le Bon · The Crowd ↗ · Buch II, Kapitel III, Abschnitt 2: Behauptung, Wiederholung, Ansteckung. · Quellenstatus
Gustave Le Bon und diese Perspektive vertiefen ↗Science of Persuasion
Ein Video zum größeren Zusammenhang; kein Einzelbeleg für die erzählte Szene.
Englisch · ca. 12 Minuten · Robert Cialdini & Steve Martin · Video extern öffnen ↗